20160615_221938Yeahh… Angus for ever … Bye bye Brian … Welcome Axl

Jetzt ist das schon wieder 7 Jahre her, dass ich einen flammenden Text zu meiner Lieblingsband verfasst habe. Damals war Angus 53, Brian 61 und es war mein 4. Konzert.

 

So klang das damals im März 2009:

Das war er nun, der große Tag des AC/DC-Konzerts. Monatelang gefiebert, gezweifelt, ob die mittlerweile im sechsten bis siebten Lebensjahrzehnt wandelnden Riff-Helden aus Down Under noch das Feuer auf die Bühne zaubern, wie vor acht Jahren. Und dann begann es… Zuerst mit einer mir (leider) noch nicht bekannten Vorband namens “The Answer”. Die gefühlt erst 20jährigen Oldschool-Rocker haben das durchaus fachkundige Publikum mehr als begeistert. Mit einer Stimme, die sich hinter der des begnadeten Led Zeppelin – Vocalisten Page nicht zu verstecken braucht und einem geradlinigen Gitarrenvortrag haben sie wirklich eine Antwort auf die Frage gegeben, ob es gut gehen kann, als Aufwärmer vor AC/DC aufzutreten. Es gab sogar Zugabe-Rufe – mit Recht.
Und endlich fuhr sie ein – die lebensgroße Dampflok mit Teufelshörnchen. Ein typisches AC/DC – Bühnenbild mit der üblichen Selbstironie der bösen Metal-Jungs. Ab ging’s mit dem Rock’n’Roll Train…Wer schon mal einen Auftritt der nimmermüden Hard Rocker erlebt hat, weiß was kommt. Ein Wechsel aus Stücken des neuen Albums und einer Auswahl der schier unerschöpflichen Superkracher aus 35 Jahren Bandgeschichte.  Angus in seiner Schuluniform, die aber nur das erste Drittel übersteht, weil der 1,53m-Zwerg auch mit 53 irgendwann den obligatorischen Strip bis auf die immer wieder anders bestickte Unterhose vorführt. Seine weißen Storchenbeine, die mit der unnachahmlichen Art die Einfachheit der AC/DC-Rythmen unterstreichen, der völlig abgedrehte und vor Spaß zuckende und sich dauernd tierisch mit und über die Fans freuende Brian Johnson und die eher zurückhaltenden Malcolm und Cliff, die höchstens mal zum Chorus 3 Schritte nach vorn tun, weil dort ihre Micros stehen, bis hin zum an Coolness nicht zu übertreffenden Phil, der wie immer seine Kippe im Mund hat, während er seine Drums streichelt, dass man meinen möchte, er spiele in ‘ner Rentner-Band. An ihm fällt einem besonders auf, wie genial einfach guter Hardrock sein kann.
Alles ist so wie erwartet. Und es ist toll so. Keiner will, dass die Jungs sich neu erfinden, den Zeitgeist aufsaugen oder auch nur irgendwie anders sind. Es ist so schön verlässlich, dass wir “Dirty Deeds” hören und “The Jack” und das The Jack ‘nen anderen Text hat, als auf der Platte. Wir können uns auf “Shoot To Thrill” freuen und auf “Back in Black”. Zwischendurch mal wieder einer von der neuen Scheibe. Aber dann noch “Let There Be Rock” und “Thunderstruck”. Keiner darf fehlen und keiner ist zu wenig. Und wie selbstverständlich setzt sich die Rosie zum “Whole Lotta Rosie” in etwas aufgehübschtem Outfit in 8 Meter Größe auf die Lok und stampft Ein-Mann-betrieben mit Ihrem linken Bein im gleichen Takt wie Angus. Zwischen die immer wieder aufkommenden “Angus-Angus” – Rufe mischen sich zunehmend auch mal “Brian-Brian” – Ovationen. Ich finde, nach fast 30 Jahren hat der quirlige Brian es lange verdient, nicht mehr im Schatten des zwar legendären aber halt toten Bon Scott zu stehen. Für mich ist AC/DC mehr Brian als Bon. Und dass sich der 63jährige mit einem Arm an die Hell’s Bell hängt, wie man im Video unten sehr gut sehen kann, ringt mir mehr Respekt ab, als der unrühmliche Abtritt des zweifelsohne genialen ersten Frontmanns. Danke Brian, für den Spaß, den Du anteilig mindestens genauso authentisch zelebrierst, wie der Gibson-Gott Angus.Aber dann kommt ja noch das Ende. War es bis hierhin genial, super, euphorisch, dann kommen jetzt die Steigerungen dieser Attribute. Nachdem Angus sein Achtminuten-Solo vor der Videowand stehend und fast in Trance fallend spielt, während sich die Bandkollegen im Dunkeln unter ihm erstmal ‘ne Zigarette gönnen und warten, bis der Grimassen ziehende Saitenakrobat fertig hat, geht der Abend dem Höhepunkt entgegen. Erstmal Dunkel, man sieht noch, wie Angus von ein paar um seine wertvolle Gesundheit besorgten Roadies in Handtücher gewickelt wird, damit der Extatische sich nicht verkühlt, nachdem er einige Tausend Kalorien in sägende Gitarrentöne umgesetzt hat. Dann Zugabe-Rufe. Die Bühne bekommt ein Loch, aus dem Angus wie Phönix aus der Asche langsam nach oben gefahren wird. Und es bricht los: “Highway To Hell”, “T.N.T.”, und natürlich – auch das weiß man – “For Those About To Rock” – selbstverständlich mit 6 Stück edelstählernen Kanonen, die nach Brians “Fire” sowas von Krachen, dass einem beim ersten Mal die Luft aus den Eingeweiden gedrückt wird. Und nochmal “Fire” und nochmal. Und dann das Finale. “Fire”,”Fire”,”Fire” – alle 6 zusammen.
Mehr geht nicht. Keiner kann sich dieser Böller erwehren. Sie treiben einem Tage später noch die Gänsehaut über den Körper, wenn man nur dran denkt. – Stille. Ein paar Sekunden noch – dann Licht. Das war’s. 2 Stunden Zauber auf 16 Saiten und Drums. Bis zum nächsten Mal. – Hoffentlich.

2009 ISS Dome Düsseldorf

Und heute:

Ja, es hat sich was verändert. Anstelle des inzwischen von mir verehrten Brian steht jetzt ein alter Bekannter auf der Bühne. Axl Rose. Im ersten Moment hielt ich die Nachricht für etwas strange, aber als ich mir Axls Stimme vorstellte, dachte ich, da kann was gehen.

Und es kommt noch besser. Keine meiner Befürchtungen hat sich bewahrheitet. Axel fügt sich ein, als wäre es immer sein Traum gewesen, neben Angus zu performen. Keine Axl Rose Show. Alle Texte sitzen. Die Stimme klingt wie frisch geölt. Zweieinhalb Stunden feinste Klänge aus einer Soundanlage, die auch auf meinem erhöhten Platz in der Arena noch echtes AC/DC Feeling verbreitet. Kristallklare Saitenschwingungen aus Angus‘ Gibson, saubere Drums, die etwas mehr Wums haben, als bei Phil. Die Show wurde etwas kompakter aufgebaut. Weniger Bühnenbild aber sehr geniale Videowände. Rundum gelungen. Und das Songsetting wurde etwas angepasst. Kein Jack mehr. Vielleicht findet Angus die Stripnummer nicht mehr so cool. Auf jeden Fall ein fitter und 1 a singender Axl. Rock or Bust klingt super.

Und dann sind sie alle wieder da, die Gänsehautmomente. Let There be Rock, Dirty Deeds, Back In Black, If You Want Blood, usw. usw. Angus ist älter geworden. Na und? Die Finger fegen wie immer durch die Saiten. Kein Ton sollte anders klingen. Und sein Solo haut immer noch jeden um, ob schon mal gesehen oder zum ersten Mal. Wenn er sich auf seiner Scherenhubtischkonstruktion weiter spielend auf den Rücken wirft, wen interessiert, dass er 61 ist? Er bleibt was er immer war, der Streichler, der Quäler, der Reißer, der Zupfer, der Saitengott.

20 Minuten Extase – keine Sekunde zu lang.

Was soll ich sagen, das Finale kommt. Hells Bells, Highway To Hell (Den hätte ich gerne zu meinem letzten Geleit.) Thunder Struck. T.N.T. Und dann fahren sie hoch, die polierten, die sauber in Reihe gestellten, die mit den Speichenrädern…

For Those About To Rock – We Solute You – FIRE – Nochmal lauter, nochmal mehr, nochmal weniger Luft in den Eingeweiden. Es ist der Hammer.

Ein einziger Zweifel bleibt dieses Mal und das ist der, ob es in 5 Jahren nochmal eine Tour gibt. Wenn ja – ich bin dabei. In Rock We Trust – Rock Or Bust.

Fire - Fire - Fire

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